Hier findet ihr Rezensionen zu Alben die sich zwar nicht mit dem Titel Hertzstück rühmen konnten, aber trotzdem hörenswert oder zumindest interessant sind.
Audio88 - Resteficken EP (VÖ 12.12.2012)
Mit "Resteficken" ist jetzt eine EP mit (wie der Name schon andeutet) bisher unveröffentlichtem Material erschienen. Diese 11 Songs sind allerdings alles Andere als B-Seiten, sondern können als vollwertiges Album angesehen werden. Man kann die EP übrigens kostenfrei über Bandcamp anhören oder für 1€ (!) Mindestpreis downloaden. Reinhören lohnt sich!
(Conor Körber
Bonaparte ist mehr als eine Band. Bonaparte ist ein seit 2006 um die Welt wandelnder Künstler-Zirkus der neben allerlei abgefahrenen Performances und wilden Bühnen-Shows noch ziemlich großartige Musik macht. Gegründet wurde das Projekt von dem Schweizer und wahl-Berliner Tobias Jundt der zuvor ein durchaus "ernsthafter" Jazz Gitarrist war. Seiner Idee, statt einer Band ein ganzes durch die Welt wandelndes Künstler-Kollektiv zu gründen, folgten viele häufig wechselnde Perfomance Künstler und Musiker aus aller Welt. 2008 erschien dann auch das von Jundt im Alleingang aufgenommene Debut "Too Much". Dieses Album und vorallem die energiegeladenen, völlig anarchischen Konzerte, bei denen wilder Elektro-Punk mit so unglaublich vielen teils ziemlich provokanten Perfomance- Kostümierungs- Strip- und sonstigen Einlagen gemischt wurde, schlugen vorallem in der deutschen Indiependent Szene mächtig ein. Über die Jahre entwickelte sich eine gewisse Stammbesetzung an Musikern und Künstlern, so dass Bonaparte profesioneller und dadurch auch die Bühnen immer größer wurden. 2010 erschien das weniger trashig klingende zweite Album "My Horse Likes You" das sogar in die deutschen Charts einstieg. Aktuell sind Bonaparte eine, wenn nicht die angesagteste alternative Live-Band hierzulande und auch zu recht, wie sie nun auf ihrem neuen Album wieder unter Beweiß stellen.
"Sorry We're Open" ist das erste Album von Bonaparte das in einem richtigen Tonstudio aufgenommen wurde. Ihr Stil, der eine wilde Mixtur aus Elektronik, Punk, Rock und Folk ist, hat sich aber trotzdem nicht groß verändert. Allerdings klingen die neuen Songs professioneller und deutlich besser produziert als es bei den teils arg nach Low Budget klingenden Vorgängern der Fall war.
Zum Einstieg ist der geneigte Bonaparte Hörer vielleicht etwas verblüfft, da in "When the Ship is Thinking" recht düstere Horn-Töne und eine, ein Gedicht rezitierende, Computer-Stimme in das Album einleiten. Danach gibt es aber mit der Single "Quarantine" die volle Bonaparte-Breitseite: Quietschende analoge Synthesizer, verzerrte Gitarren, ein hämmernder Beat und ein von der sympathisch näselnden Stimme Tobias Jundts sprechgesungener, irrwitziger Text. Auch der folgende Titeltrack lädt zum Tanzen ein, mit einer Mischung aus Gitarren-Rock und an Tetris erinnerden Synthie-Sounds. Der Text (mit Zeilen wie "the end of entertainment is the beginning of war") ist allerdings mehr als nur eine Aufforderung zur Party. In der Mitte hat das Album ein paar Längen, da hier einige Songs relativ belanglos (wenn auch eingängig) sind. Wie auf "My Horse Likes You" gibt es hier wieder einige witzige Interludes, die dem Album einen gewißen roten Faden geben, dieses Mal die Seefahrt. Der etwas (selbst)ironische Song "Alles schon gesehen" ist ein Featuring mit Deichkind und klingt auch ziemlich nach Deichkind. Zum Ende des Albums gibt es noch eine ganze Reihe sehr guter Songs: "Quick Fix" ist richtig gut gelungener Electro-Rock, "High Heels to Hell" schlägt relativ ruhige elektronische Töne an und hat auch einen tiefgründigen, nachdenklichen Text. Diesen Song gab es zuvor schon als B-Seite unter dem Titel "Things are More Like They Are Now" als Folk Song zu hören, aber auch die Album-Version gefällt. In "In the Breaks" werden für Bonaparte ungewöhnlich melancholische Töne angeschlagen; hier singt Jundt auch richtig und das auch noch von Trennungsschmerz. Diese düstere Stimmung wird vom letzten Song "Bonahula" aber auf großartige Weise wieder wettgemacht, denn hier wird musikalisch eine Südsee-Strandparty gefeiert, mit Bongos und Allem was dazu gehört. Obwohl dies eine Mischung aus Song und Epilog ist, ist es von der (ausgelassenen) Stimmung die rübergebracht wird einer der stärksten Songs des Albums.
Fazit: Bonaparte bleiben weiterhin musikalisch wie inhaltlich Individualisten. Die Musik ist mittlerweile mehr Elektro als Punk und etwas ruhiger als auf den Vorgängeralben. Ein Album zu dem man Tanzen kann, das aber auch Zuhause Spaß macht.
(Conor Körber)
Smashing Pumpkins - Oceania (VÖ 18.06.2012)
Norah Jones - Little Broken Hearts (VÖ 27.04.2012)
Bei Norah Jones denken viele sicher an belanglos dahingehauchte Fahrstuhlmusik. Das trifft aber spätestens seit ihrem aktuellen Album "Little Broken Hearts" überhaupt nicht mehr zu. Hier hat sich die Tochter von Ravi Shankar nämlich mit dem Überproduzenten Danger Mouse zusammengetan
Marilyn Manson - Born Villain (VÖ 27.04.2012)
Anfang der 90er Jahre wurde Marilyn Manson von Trend Reznor, dem Mastermind der Nine Inch Nails, entdeckt und als Vorband auf Tour genommen. Durch das, für das prüde Amerika , äußerst provokante und groteske Auftreten, sowie durch die Cover-Single "Sweet Dreams" erlangte Manson einige Bekanntheit in den USA. Mit dem Album "Antichrist Superstar", übrigens ein Konzept-Album dass an Nietzsches Philosophie angelehnt ist, gelang 1996 der weltweite Durchbruch. Vorallem Mansons Bühnenshows polarisierten stark. Hauptthema der Musik sowie der Shows war eine extrem scharfe Kirchenkritik. Dazu gehörte das Zerreißen der Bibel, oder der Vergleich zwischen Faschismus und Christentum. Wie zu erwarten war, machte er sich damit, vor allem in Amerika, nicht nur Freunde. In manchen Bundesstaaten hat er bis zum heutigen Tage Auftrittsverbot. Nichtsdestotrotz ist Marilyn Manson seitdem zu einer der bedeutensten Kunstfiguren der heutigen Musikwelt geworden, wenn auch sicherlich zu einer sehr umstrittenen. In den Hintergrund gerückt ist leider bei allen "Skandalen", zum einen die ernstgemeinte und scharf beobachtete Gesellschaftskritik die in seinen Songtexten und Shows aufgezeigt wird und zum Anderen die Qualität der Musik die ein weites Spektrum von Industrial über Metal bis hin zu Glam Rock umfasst.
2012 war das Erscheinen eines neuen Marilyn Manson Albums kein mediales Großereignis mehr, wie es noch ein paar Jahre davor der Fall war. Trotzdem ist "Born Villain" ein sehr hörenswertes Album. Nach zwei etwas konzeptlosen Alben gibt es dieses Mal wieder ein richtiges Thema wie man es von Manson gewohnt ist. Man könnte Born Villain als Musik gewordenes Sin City bezeichen. Jeder der Songs zeichnet ein kaleidoskopisches Bild einer aus den Fugen geratenen ziemlich gewalttätigen Welt. Musikalisch wie textlich geht es nicht zart beseitet vonstatten. Viele Songs bauen eine sehr düstere Stimmung auf, dank monotonem Schlagzeug und sehr verzerrten Gitarren. Manson selbst ist auf diesem Album gut bei Stimme und flüstert, singt und kreischt, dass es eine Freude ist (sofern man sich mit seiner manchmal etwas anstrengenden Stimme anfreunden kann). Viele Songs sind dabei aber trotzdem geradezu tanzbar. Die Songtexte sind diesesmal weniger direkt und somit vielleicht nicht so provokant wie es früher bei Marilyn Manson der Fall war. Anspruchsvoll sind die u.a. von Shakespeare und Charles Baudelaire inspirieten Texte dennoch. Mit dem etwas an Joy Division erinnerndem "Children of Cain" und "Breaking the Same Old Ground" gibt es auch zwei sehr gelungene düster-melancholische Balladen auf diesem insgesamt eher härter rockendem Album. Fazit: Marilyn Manson entdeckt sich nicht vollends neu, hat aber ein sehr gutes Album mal wieder aufgenommen, dass Post-Punk und Industrial mischt, alles in Allem sehr modern klingt und den Zeitgeist gewißermaßen sehr gut trifft.
(Conor Körber)
Sinéad O'Connor - How About I Be Me? (And You Be You?) (VÖ 09.03.2012)
Kate Bush - 50 Words for Snow (VÖ 18.11.2011)
Kate Bush kann man wohl mit Fug und Recht als Ausnahmeerscheinung der Popgeschichte bezeichnen. Seit Beginn ihrer Musikkarriere hat sie es geschafft, Musik zu schreiben die gleichzeitig immer sehr anspruchsvoll ist und trotzdem ein großes Publikum anspricht. Dadurch hat sie bis heute regelmäßig Top 10 Platzierungen in den Charts, obwohl sie das vermutlich nicht einmal besonders interessiert. 1978 war sie mit ihrer Debüt-Single "Wuthering Heights" die erste Frau die mit einem selbstgeschriebenen Song die britischen Charts anführte und das mit gerade einmal 20 Jahren. Es folgten viele weitere erfolgreiche und teils sehr anspruchsvolle Alben und mit dem Song "Running Up That Hill" 1985 auch der weltweite Durchbruch. Mitte der 90er Jahre zog sie sich trotz anhaltendem Erfolg aus dem Musikgeschäft zurück. Erst 2005 meldete sie sich mit dem Doppelalbum "Aerial" zurück welches sehr positiv aufgenommen wurde.
2011 ist ein neues Album erschienen, 50 Words for Snow heißt es
und ist tatsächlich ein Konzeptalbum zum Thema Schnee. Es ist aber kein
vollkommen abgedrehtes Experimentalmonstrum, sondern ein Album das
sehr ruhige (Klavier)Töne anschlägt und mit ein wenig Fantasie des
Hörers wirklich in eine verschneite Winterlandschaft entführt. 50 Words
for Snow ist ein Album, dass sich sehr viel Zeit nimmt (keines der 7
Lieder ist kürzer als 6 Minuten) und auch als Hörer sollte man sich
wirklich Zeit nehmen es anzuhören. Die Songs sind großteils sehr
langsame, fast nur vom Klavier begleitete Stücke die von der sehr
außergewöhnlichen, teils fast schon opernhaften Stimme von Kate Bush
leben. Eine Ausnahme ist die elektrolastige Single "Wild Man" die aber
auch sehr entspannt ist. Sehr besonders sind auch die Texte; wie so oft
bei Kate Bush werden in den Songs komplette Geschichten erzählt. Diese
Storys sind teils skurill (eine Liebesnacht mit einem Schneemann) aber
auch märchenhaft melancholisch (Among Angels z.B.). Melancholie ist in
jedem Falle die beherschende Stimmung des Albums, aber in einer sehr
verträumten, überhaupt nicht negativen Art. Kate Bush ist auf diesem
von ihr komplett selbstgeschriebenen Album nicht ganz allein: außer ihr
kann man Elton John, den Schauspieler Steven Fry sowie ihren 13
jährigen Sohn singen bzw sprechen hören. Fazit: Ein Album dass man ganz
bestimmt nicht nebenher hören sollte aber z.B. einen verschneiten
Winterabend an dem man eh nichts zu tun hat sehr verschönern kann.
The Waterboys - An Appointment With Mr. Yeats (VÖ 23.11.2011)
(Conor Körber)
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