Reviews




Hier findet ihr Rezensionen zu Alben die sich zwar nicht mit dem Titel Hertzstück rühmen konnten, aber trotzdem hörenswert oder zumindest interessant sind.

Audio88 - Resteficken EP (VÖ 12.12.2012)

Resteficken cover artEs ist schwer den Berliner Audio88 einem Genre zuzuordnen.  Sicherlich ist er am ehesten in der Hip Hop Szene anzusiedeln, allerdings hebt sich seine Musik doch stark vom Hip Hop Mainstream ab. Zwar rappt er in irgendeiner Form, dies meist allerdings ohne jegliches Reimen. Untermalt wird dieser häufig sehr schnelle und präzise Sprechgesang von ziemlich unkonventionellen Beats die manchmal Anklänge an Jazz haben, oft aber auch schon in den Industrial Bereich gehen. Das Ganze klingt dabei manchmal wie ein (herausstechend guter) mit Musik unterlegter Poetry Slam Text. Im Gegensatz zum Hip Hop Durchschnitt, sind Audio88's Texte kleine Kunstwerke: messerscharf sozialkritisch, durchdacht, düster, zynisch und gehen damit öfters ziemlich an die Schmerzgrenze. Wirklich heiter wird es in kaum einem Audio88 Song: Alkoholismus, die dritte Welt, Kinderprostitution, Arbeitslosigkeit sind nur einige der Themen seiner Songs. Diese Themen werden aber nicht plakativ aufgebauscht, sondern nüchtern und manchmal mit bewusst zynischem Humor "Hunger geht auf dritte Welt-Tournee"   so dargestellt wie sie sind, was beim Zuhörer eine gewisse Beklemmung auslöst und vielleicht ja auch zum Nachdenken anregt. Man hat bei Audio88 das Gefühl, dass er in seinen Texten praktisch alle negativen Aspekte des menschlichen Zusammenlebens behandelt. Dies kann etwas einseitig wirken, andererseits ist es, wenn man die gesamte Musik- und vorallem Hip Hop Szene betrachtet, doch eine angenehme Bereicherung, da seine Musik dort doch etwas wirklich Einzigartiges darstellt. Außerdem sind die Texte stilistisch so hochwertig, dass sie wohl auch gedruckt funktionieren würden.
Mit "Resteficken" ist jetzt eine EP mit (wie der Name schon andeutet) bisher unveröffentlichtem Material erschienen. Diese 11 Songs sind allerdings alles Andere als B-Seiten, sondern können als vollwertiges Album angesehen werden.  Man kann die EP übrigens kostenfrei  über Bandcamp anhören oder für 1€ (!) Mindestpreis downloaden. Reinhören lohnt sich!
(Conor Körber



http://www.langweiledich.net/Bilder/bonaparte_sorry_were_open.jpgBonaparte - Sorry We're Open (VÖ 17.08.2012)

 Bonaparte ist mehr als eine Band. Bonaparte ist ein seit 2006 um die Welt wandelnder Künstler-Zirkus der neben allerlei abgefahrenen Performances und wilden Bühnen-Shows noch ziemlich großartige Musik macht. Gegründet wurde das Projekt von dem Schweizer und wahl-Berliner Tobias Jundt der zuvor ein durchaus "ernsthafter" Jazz Gitarrist war. Seiner Idee, statt einer Band ein ganzes durch die Welt wandelndes Künstler-Kollektiv zu gründen, folgten viele häufig wechselnde Perfomance Künstler und Musiker aus aller Welt. 2008 erschien dann auch das von Jundt im Alleingang aufgenommene Debut "Too Much". Dieses Album und vorallem die energiegeladenen, völlig anarchischen Konzerte, bei denen wilder Elektro-Punk mit so unglaublich vielen teils ziemlich provokanten  Perfomance- Kostümierungs- Strip- und sonstigen Einlagen gemischt wurde, schlugen vorallem in der deutschen Indiependent Szene mächtig ein. Über die Jahre entwickelte sich eine gewisse Stammbesetzung an Musikern und Künstlern,  so dass Bonaparte profesioneller und dadurch auch die Bühnen immer größer wurden. 2010 erschien das weniger trashig klingende zweite Album "My Horse Likes You" das sogar in die  deutschen Charts einstieg. Aktuell sind Bonaparte eine, wenn nicht die angesagteste alternative Live-Band hierzulande und auch zu recht, wie sie nun auf ihrem neuen Album wieder unter Beweiß stellen.
"Sorry We're Open" ist das erste Album von Bonaparte das in einem richtigen Tonstudio aufgenommen wurde. Ihr Stil, der eine wilde Mixtur aus Elektronik, Punk, Rock und Folk ist, hat sich aber trotzdem nicht groß verändert. Allerdings klingen die neuen Songs professioneller und deutlich besser produziert als es bei den teils arg nach Low Budget klingenden Vorgängern der Fall war.
Zum Einstieg ist der geneigte Bonaparte Hörer vielleicht etwas verblüfft, da in "When the Ship is Thinking" recht düstere Horn-Töne und eine, ein Gedicht rezitierende, Computer-Stimme in das Album einleiten. Danach gibt es aber mit der Single "Quarantine" die volle Bonaparte-Breitseite: Quietschende analoge Synthesizer, verzerrte Gitarren, ein hämmernder Beat und ein von der sympathisch näselnden Stimme Tobias Jundts sprechgesungener, irrwitziger Text. Auch der folgende Titeltrack lädt zum Tanzen ein, mit einer Mischung aus Gitarren-Rock und an Tetris erinnerden Synthie-Sounds. Der Text  (mit Zeilen wie "the end of entertainment is the beginning of war") ist allerdings mehr als nur eine Aufforderung zur Party. In der Mitte hat das Album ein paar Längen, da hier einige Songs relativ belanglos (wenn auch eingängig) sind. Wie auf "My Horse Likes You" gibt es hier wieder einige witzige Interludes, die dem Album einen gewißen roten Faden geben, dieses Mal die Seefahrt. Der etwas (selbst)ironische Song "Alles schon gesehen" ist ein Featuring mit Deichkind und klingt auch ziemlich nach Deichkind. Zum Ende des Albums gibt es noch eine ganze Reihe sehr guter Songs: "Quick Fix" ist richtig gut gelungener Electro-Rock, "High Heels to Hell" schlägt relativ ruhige elektronische Töne an und hat auch einen tiefgründigen, nachdenklichen Text. Diesen Song gab es  zuvor schon als B-Seite unter dem Titel "Things are More Like They Are Now" als Folk Song zu hören, aber auch die Album-Version gefällt. In "In the Breaks" werden für Bonaparte ungewöhnlich melancholische Töne angeschlagen; hier singt Jundt auch richtig und das auch noch von Trennungsschmerz. Diese düstere Stimmung wird vom letzten Song "Bonahula" aber auf großartige Weise wieder wettgemacht, denn hier wird musikalisch eine Südsee-Strandparty gefeiert, mit Bongos und Allem was dazu gehört. Obwohl dies eine Mischung aus Song und Epilog ist, ist es von der (ausgelassenen) Stimmung die rübergebracht wird einer der stärksten Songs des Albums.
Fazit: Bonaparte bleiben weiterhin musikalisch wie inhaltlich Individualisten. Die Musik ist mittlerweile mehr Elektro als Punk und etwas ruhiger als auf den Vorgängeralben. Ein Album zu dem man Tanzen kann, das aber auch Zuhause Spaß macht.
(Conor Körber)



  Smashing Pumpkins - Oceania (VÖ 18.06.2012)

http://cdn.stereogum.com/files/2012/06/smashing-pumpkins-oceania-608x6121.jpgDie Smashing Pumpkins waren in den 90er Jahren mal eine der größten Alternative-Rockbands überhaupt. Alben wie "Siamese Dream" oder vorallem "Mellon Collie and the Infinite Sadness", die auf recht einzigartige Weise wütenden Grunge mit hymnischen Melodien sowie Streichern kombinerten, gelten bis heute als musikalische Meilensteine der 90er. Leider waren die Smashing Pumpkins mit Ende des Jahrzehnts auch selbst am Ende, dank internen Auseinandersetzungen löste sich die Band Ende  des Jahres 2000 auf.  Ziemlich überraschend verkündete Sänger und Kopf der Band, Billy Corgan, 2007 die Wiedervereinigung der Smashing Pumpkins und tatsächlich wurde mit "Zeitgeist" ein neues Album veröffentlicht. Einige frühere Fans zeigten sich etwas enttäuscht, da außer Corgan nur der Schlagzeuger Jimmy Chamberlin von der Originalbesetzung der Band noch übrig war und so konnten die "Pumpkins" auch nicht so ganz an  alte Erfolge anknüpfen.
2012 ist, nach einer Ep und einigen im Internet zum freien Download veröffentlichten Songs, wieder ein richtiges neues Album erschienen: Oceania. Das letzte Originalbandmitglied abseits von Billy Corgan, Drummer Jimmy Chamberlin, ist mittlerweile nicht mehr in der Band. Dementsprechend ist der Sound (abgesehen vom außergewöhnlichem, etwas näselnden Gesang) ein Anderer als er es in den 90ern war. Trotzdem ist "Oceania" ein sehr gutes Album, was auch nicht verwunderlich ist, da auch die meisten früheren Songs von Corgan geschrieben wurden. Insgesamt ist das Album melodisch und ruhig. An die Grunge- und Hardrockeinflüsse der frühen 90er erinnert nur der Einstiegssong "Quasar". Ansonsten gibt es Rocksongs die oft mit warmen Synthiesounds oder aber echten Streichern daherkommen und fast schon als Art-Rock bezeichnet werden könnten. Highlight des Albums ist sicherlich die Single "Panopticon", die im Gegensatz zum Rest des Albums geradezu hymnisch daherkommt. Für die meisten anderen Songs braucht man als Hörer vielleicht ein Bisschen mehr Zeit um sie sich zu erschließen, da sie teils musikalisch recht anspruchsvoll sind. Fazit: Ein für Smashing Pumpkins Verhältnisse softes Album mit sehr schönen Melodien und einem Hauch Melancholie (für S.P. Verhältnisse aber sehr positiv gestimmt). Außerdem ein Album, dass wie aus einem Guss ist man also gut komplett durchören kann. Wer gut gemachte, vielschichtige Rockmusik mit Streichern, Elektronik usw. mag und von nasalen Stimmen nicht abgeschreckt ist, sollte mal reinhören!
(Conor Körber)

 Norah Jones - Little Broken Hearts (VÖ 27.04.2012)


    Bei Norah Jones denken viele sicher an belanglos dahingehauchte Fahrstuhlmusik. Das trifft aber   spätestens seit ihrem aktuellen Album "Little Broken Hearts" überhaupt nicht mehr zu. Hier hat sich die Tochter von Ravi Shankar nämlich mit dem Überproduzenten Danger Mouse zusammengetan
http://www.caz-lesen.de/tl_files/musik/norah-jones-little-broken-hearts.jpg(der z.B. auch Teil von Gnarls Barkley oder Broken Bells ist) und einen deutlichen Stilwechsel hingelegt: weg vom "Kaffehaus Jazz"  hin zu einem sanften, elektronischen Indie-Pop. Der Sound der Platte ist trotz vieler elektronischer Elemente, sehr harmonisch und passt nahezu perfekt zu Norah Jones Stimme. Inhaltlich dreht es sich, wie der Titel schon andeutet, um zerbrochene Beziehungen, darum ist der Grundton des Albums auch recht melancholisch. Facettenreich ist das Album (und die Texte) trotzdem, mal singt Jones ironisch fröhlich über ihre gescheiterte Beziehung, dann tieftraurig oder gibt sich Rachephantasien hin. Alles Dinge, die man so wohl nicht von Norah Jones erwartet hätte, was mal wieder zeigt, dass man auch Künstlern die man eigentlich abgeschrieben hatte (wenn man das denn hatte) immer eine Chanche geben sollte. Bei "Little Broken Hearts" lohnt sich das jedenfalls, zumindest wenn man gut gemachte Indie Musik im Stile der "Broken Bells" mag und von einer Prise Melancholie nicht abgeschreckt ist (Conor Körber) 






Marilyn Manson - Born Villain (VÖ 27.04.2012)

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/en/thumb/3/36/BornVillain.jpg/220px-BornVillain.jpgDer Begriff "Schockrocker" wird häufig in einem Atemzug mit dem Namen Marilyn Manson verwendet. Dies wird dem Künstler aber in keiner Weise gerecht, denn hinter der provokanten Kunstfigur Marilyn Manson steckt weit mehr als nur Effekthascherei.
Anfang der 90er Jahre wurde Marilyn Manson von Trend Reznor, dem Mastermind der Nine Inch Nails, entdeckt und als Vorband auf Tour genommen. Durch das, für das prüde Amerika , äußerst provokante und groteske Auftreten, sowie durch die Cover-Single "Sweet Dreams" erlangte Manson einige Bekanntheit in den USA. Mit dem Album "Antichrist Superstar", übrigens ein Konzept-Album dass an Nietzsches Philosophie angelehnt ist, gelang 1996 der weltweite Durchbruch. Vorallem Mansons Bühnenshows polarisierten stark. Hauptthema der Musik sowie der Shows war eine extrem scharfe Kirchenkritik. Dazu gehörte das Zerreißen der Bibel, oder der Vergleich zwischen Faschismus und Christentum.  Wie zu erwarten war, machte er sich damit, vor allem in Amerika, nicht nur Freunde. In manchen Bundesstaaten hat er bis zum heutigen Tage Auftrittsverbot. Nichtsdestotrotz ist Marilyn Manson seitdem zu einer der bedeutensten Kunstfiguren der heutigen Musikwelt geworden, wenn auch sicherlich zu einer sehr umstrittenen. In den Hintergrund gerückt ist leider bei allen "Skandalen", zum einen die ernstgemeinte und scharf beobachtete Gesellschaftskritik die in seinen Songtexten und Shows aufgezeigt wird und zum Anderen die Qualität der Musik die ein weites Spektrum von Industrial über Metal bis hin zu Glam Rock umfasst.
2012 war das Erscheinen eines neuen Marilyn Manson Albums kein mediales Großereignis mehr, wie es noch ein paar Jahre davor der Fall war. Trotzdem ist "Born Villain" ein sehr hörenswertes Album. Nach zwei etwas konzeptlosen Alben gibt es dieses Mal wieder ein richtiges Thema wie man es von Manson gewohnt ist. Man könnte Born Villain als Musik gewordenes Sin City bezeichen. Jeder der Songs zeichnet ein kaleidoskopisches Bild einer aus den Fugen geratenen ziemlich gewalttätigen Welt. Musikalisch wie textlich geht es nicht zart beseitet vonstatten. Viele Songs bauen eine sehr düstere Stimmung auf, dank monotonem Schlagzeug und sehr verzerrten Gitarren. Manson selbst ist auf diesem Album gut bei Stimme und flüstert, singt und kreischt, dass es eine Freude ist (sofern man sich mit seiner manchmal etwas anstrengenden Stimme anfreunden kann). Viele Songs sind dabei aber trotzdem geradezu tanzbar. Die Songtexte sind diesesmal weniger direkt und somit vielleicht nicht so provokant wie es früher bei Marilyn Manson der Fall war. Anspruchsvoll sind die u.a. von Shakespeare und Charles Baudelaire inspirieten Texte dennoch. Mit dem etwas an Joy Division erinnerndem "Children of Cain" und "Breaking the Same Old Ground" gibt es auch zwei sehr gelungene düster-melancholische Balladen auf diesem insgesamt eher härter rockendem Album. Fazit: Marilyn Manson entdeckt sich nicht vollends neu, hat aber ein sehr gutes Album mal wieder aufgenommen, dass Post-Punk und Industrial mischt, alles in Allem sehr modern klingt und den Zeitgeist gewißermaßen sehr gut trifft.
(Conor Körber)

Sinéad O'Connor - How About I Be Me? (And You Be You?) (VÖ 09.03.2012)

http://www.israbox.com/uploads/posts/2012-02/1329964604_500.jpgMit der Sängerin Sinead O'Connor werden die meisten wahrscheinlich den Song "Nothing Compares 2 U" in Verbindung bringen. Mit ihrer Version dieses Songs von Prince hatte sie 1990 einen weltweiten Nummer 1 Hit. Die ganz große Karriere verbaute sie sich jedoch mit ihrem kompromisslosem und teils skandalträchtigem Auftreten. So weigerte sie sich 1990 aufgrund ihrer antinationalistischen Einstellung, bei einer Veranstaltung in den USA aufzutreten wenn vorher die amerikanische Nationalhymne gespielt würde (was dort üblich war). Auch lehnte sie vier Grammys ab, da diese ihrer Meinung nach nur wirtschaftlichen und nicht künstlerischen Erfolg wiederspiegelten. Vollends vorbei war es mit ihrer großen Karriere, als sie 1992 live im Amerikanischen Fernsehen mit den Worten "fight the real enemy!" ein Bild des Papstes zerriß um gegen vertuschte Mißbrauchsfälle in der Katholischen Kirche zu demonstrieren. Die Reaktionen auf diesen Auftritt waren, vorallem in ihrem Heimatland Irland, so heftig, dass sie sich genötigt fühlte kurzfristig vollkommen aus der Öffentlichkeit zu verschwinden. Musikalisch experimentierte sie in den folgenden Jahren mit praktisch jeglichem Genre. Jazz, Alternative-Rock, Pop, Irish-Folk sowie Reggae. Ein großes Publikum fand sie damit jedoch nicht, obwohl die meisten ihrer Platten von der Kritik sehr gut aufgenommen wurden.
2012 ist  nach fünf Jahren Pause eine Platte erschienen, die musiklaisch zurück zu ihren Anfängen zwischen Folk, Rock und Pop geht. Auf dem Album mit dem programmatischen Titel "How About I be Me (And You be You?)", gibt es deutlich weniger Experimente als zuvor zu hören, dafür aber 10 sehr gelungene Rock- und Folksongs. Sinéad O'Connor schafft es hier Songs zu schreiben, die anspruchsvoll und sehr abwechslungsreich instrumentiert sind und dennoch direkt ins Ohr gehen. Zentraler Punkt der Songs ist ihre zwar gereifte, aber nach wie vor sehr eindringliche, Stimme. Der Hörer wird bei diesem Album auf eine wahre Achterbahnfahrt der Gefühle geschickt: auf das vom Afro Beat inspirierte, coole und fröhliche Hochzeitslied "4th and Vine", folgt die traurige Ballade "Reason with Me" die die Geschichte eines Drogenabhängigen erzahlt. Auch andere gesellschaftliche Themen wie (mal wieder) die Doppelmoral der Kirche werden in den Songs "Take Off Your Shoes" und "V.I.P." angesprochen. Dieses Album hat eigentlich keinen einzigen Durchhänger, jedes Lied ist sehr eigenständig und keins gleicht einem Anderen. Insgesamt ist die Musik von Sinéad O'Connor ausgeglichener geworden, extrem emotionale Ausbrüche findet man hier nicht, dafür hochwertige, relativ ruhige Rocksongs; von sehr fröhlich bis hin zu sehr melancholisch. Auch wenn man "Nothing Compares 2 U" eher schnulzig fand, sollte man diesem Album eine Chance geben, da es weder inhaltlich noch musikalisch als "Pop" bezeichnet werden kann.
(Conor Körber)


Kate Bush - 50 Words for Snow (VÖ 18.11.2011)
http://neonliberal.at/wp-content/uploads/2011/12/kate-bush-50-words-for-snow.jpg
Kate Bush kann man wohl mit Fug und Recht als Ausnahmeerscheinung der Popgeschichte bezeichnen. Seit Beginn ihrer Musikkarriere hat sie es geschafft, Musik zu schreiben die gleichzeitig immer sehr anspruchsvoll ist und trotzdem ein großes Publikum anspricht. Dadurch hat sie bis heute regelmäßig Top 10 Platzierungen in den Charts, obwohl sie das vermutlich nicht einmal besonders interessiert. 1978 war sie mit ihrer Debüt-Single "Wuthering Heights" die erste Frau die mit einem selbstgeschriebenen Song die britischen Charts anführte und das mit gerade einmal 20 Jahren. Es folgten viele weitere erfolgreiche und teils sehr anspruchsvolle Alben und mit dem Song "Running Up That Hill"  1985 auch der weltweite Durchbruch. Mitte der 90er Jahre zog sie sich trotz anhaltendem Erfolg aus dem Musikgeschäft zurück. Erst 2005 meldete sie sich mit dem Doppelalbum "Aerial" zurück welches sehr positiv aufgenommen wurde.

2011 ist ein neues Album erschienen, 50 Words for Snow heißt es und ist tatsächlich ein Konzeptalbum zum Thema Schnee. Es ist aber kein vollkommen abgedrehtes Experimentalmonstrum, sondern ein Album das sehr ruhige (Klavier)Töne anschlägt und mit ein wenig Fantasie des Hörers wirklich in eine verschneite Winterlandschaft entführt. 50 Words for Snow ist ein Album, dass sich sehr viel Zeit nimmt (keines der 7 Lieder ist kürzer als 6 Minuten) und auch als Hörer sollte man sich wirklich Zeit nehmen es anzuhören. Die Songs sind großteils sehr langsame, fast nur vom Klavier begleitete Stücke die von der sehr außergewöhnlichen, teils fast schon opernhaften Stimme von Kate Bush leben. Eine Ausnahme ist die elektrolastige Single "Wild Man" die aber auch sehr entspannt ist. Sehr besonders sind auch die Texte; wie so oft bei Kate Bush werden in den Songs komplette Geschichten erzählt. Diese Storys sind teils skurill (eine Liebesnacht mit einem Schneemann) aber auch märchenhaft melancholisch (Among Angels z.B.). Melancholie ist in jedem Falle die beherschende Stimmung des Albums, aber in einer sehr verträumten, überhaupt nicht negativen Art. Kate Bush ist auf diesem von ihr komplett selbstgeschriebenen Album nicht ganz allein: außer ihr kann man Elton John, den Schauspieler Steven Fry sowie ihren 13 jährigen Sohn singen bzw sprechen hören. Fazit: Ein Album dass man ganz bestimmt nicht nebenher hören sollte aber z.B.  einen verschneiten Winterabend an dem man eh nichts zu tun hat sehr verschönern kann.
(Conor Körber)


The Waterboys - An Appointment With Mr. Yeats  (VÖ 23.11.2011)
http://proper-records.co.uk/wp-content/uploads/2011/10/PRPCD081.jpgThe Waterboys sind eine Folk-Rock Band die aus dem Schotten Mike Scott (Gesang und Kopf der Gruppe) und dem Iren Steve Wickham (Fiddle), sowie zahlreichen, wechselnden Gastmusikern seit Mitte der 80er Jahre besteht. In den 80ern hatten sie mit "The Whole of the Moon" und "Fishermans Blues" zwei richtige Hits die man auch heute noch ab und zu im Radio hört. Da sich ihr Stil, von Wave-Rock bis hin zu Irish-Folk und wieder zurück, ständig änderte, blieb (außerhalb G.B. und besonders Irlands) der ganz große Erfolg aus, bis sie sich Mitte der 90er Jahre sogar auflösten und Sänger Mike Scott eine Solokarriere begann.
Seit dem Jahr 2000 gibt es die Waterboys aber wieder. Mit "An Appointment with Mr. Yeats" haben sie (meiner Meinung nach)ihr bestes Album ihrer zweiten Schaffensphase veröffentlicht. Das Besondere an diesem Album ist, dass die Texte allesamt Gedichte von dem Literaturnobelpreisträger William Butler Yeats sind. Yeats lebte in der ersten Hälfte des 20 Jhrs. und gilt als eine Art Nationaldichter Irlands. Seine Gedichte sind meist von viel Mystik geprägt, teilweise aber auch recht politisch. Die Waterboys haben aus diesen Gedichten ein Album gemacht bei dem es tatsächlich scheint als ob sie nur dafür geschrieben worden wären. Relativ hart rockende Songs wie "The Hosting of the Shee" wechseln sich mit sehr schönen, geradezu verträumten, leicht elektronischen Stücken wie "Song of Wandering Aengus" oder "The Faerys Last Song" ab. Dies ist wirklich ein Album in dem kein einziger Song Füllmaterial ist, jedes Lied erzählt seine eigene Geschichte und trotzdem ist immer ein roter Faden zu erkennen. Sänger Mike Scott sagte in einem Interview, dass er sich auf dieses Mammutprojekt gewissermaßen 20 Jahre lang vorbereitet hätte, und das hört man hier tatsächlich. Fazit: ein durch und durch stimmiges Rockalbum mit ein paar Folk- und Elektroeinflüssen. Grandiose Fiddle-Soli und der einzigartige, meist sehr sanfte Gesang von Mike Scott runden das ganze ab. Das Experiment, Yeats Gedichte zu Vertonen ist sehr gelungen und beim Blättern durch das Booklet liest man sogar noch ein wenig Weltliteratur.
(Conor Körber)

No comments:

Post a Comment